Bürgermeisterin werden

Der besseren Lesbarkeit wegen, ist diese Seite nur in weiblicher Ansprache geschrieben. Es werden hier aber alle 60 Geschlechter angesprochen, die Facebook auflistet. Dafür ist die Seite zur Wahl des Stadtrates in männlicher Form verfasst.


Die nächsten Kommunalwahlen mit Bürgermeisterwahlen sind im Jahr 2026


Die wollen hauptamtliche Bürgermeisterin oder Oberbürgermeisterin (gilt auch für die Landrätin) in Niedersachsen werden? Dann sagen wir Ihnen, wie es geht:

Welche Staatsbürgerschaft muss ich haben?
Jede EU-Bürgerin kann sich bewerben, sinnvoll wäre es natürlich, wenn man sehr gutes Deutsch spricht und versteht. Man muss die Staatsbürgerschaft eines EU-Landes seit mindestens einem Jahr innehaben.

Wie alt muss / darf ich sein?
Mindestens 23 Jahre, maximal 67 Jahre

Wo müssen Sie wohnen, damit Sie sich zur Wahl aufstellen lassen können?
Irgendwo; vor der Wahl und nach der Wahl. Theoretisch auch auf Malle. Aber sinnvoll ist es nach der Wahl dort zu wohnen, wo man arbeitet.
Aber ehrlich, wenn Sie in der gewünschten Stadt nicht wohnen und keinen kennen, dann werden Sie nur ein paar Stimmen von Protestwählern (eventuell noch von den Mitgliedern der Partei bekommen, die Sie eventuell nominiert hat) bekommen. Daher ist es taktisch klug, in der Stadt oder Gemeinde zu wohnen, in der man gewählt werden möchte. Am besten ist sogar, man ist positiv „bekannt wie ein bunter Hund“

Muss man Mitglied in einer Partei oder Wählergemeinschaft sein?
Nein. Es gibt Kandidatinnen, die als Parteilose von Parteien unterstützt werden, oder ganz alleine antreten. Gerade im Kommunalbereich sind auch Bürgermeisterinnen parteilos.

Wer nominiert mich beim Wahlamt?
Entweder eine Partei oder Wählergemeinschaft (siehe oben), oder man ist Einzelkämpferin und macht es selbst.

Wo ist dieses Wahlamt?
Jede Stadt oder Gemeinde hat ein Wahlamt, das für alle Wahlen zuständig sind. Dieses Wahlamt beantwortet auch Fragen und gibt vor allem die offiziellen Listen heraus, mit denen ein Newcomer Unterstützungsunterschriften sammeln muss.

Was sind Unterstützungsunterschriften?
Jede Neuling (Kandidatin für den Stadt- oder Gemeinderat, als Wählergruppe oder Einzelkandidatin zum Bürgermeisteramt), muss Unterstützungsunterschriften in ihrem Wahlgebiet einholen. Damit will man „Scherzbewerbungen“ verhindern, andererseits lernt eine Kandidatin so ihr Wahlgebiet besser kennen. Es heißt also, an Haustüren klingeln.
Dafür gibt es Formblätter, die es beim Wahlamt gibt. Das Wahlamt kann auch sagen, wie viele Unterstützungsunterschriften benötigt werden, und zwar für Kandidatinnen zum Stadt- oder Gemeinderat und zur (Ober-) Bürgermeisterin.
Beispiel für Delmenhorst: Wer als Einzelkämpferin Oberbürgermeisterin werden möchte und keine Parteinominierung hat, benötigt in ganz Delmenhorst 220 Unterschriften. In Ganderkesee sind 130 Unterschriften erforderlich. In Gemeinden oder kleinen Orten ist die Anzahl anders. Dieses hier aufzuführen, würde diesen Beitrag sprengen. Fragen Sie bei Ihrem Wahlamt nach.
https://www.wahleninfo.de/unterstuetzungsunterschriften/

Jede Bürgerin, die unterstützen möchte, muss in der Stadt wohnen und darf auch nur eine Kandidatin unterstützen. Oft vergessen Unterstützerinnen, dass sie bereits woanders unterschrieben haben. Überzählige Unterschriften sind ungültig und könnten daher einer neuen Kandidatin fehlen.
Tipp: auf jeden Fall mehr einsammeln, denn zudem kommt es oft vor, dass die Unterschreibenden gar nicht dort wohnen oder gar wählen dürfen.

Sammeln Sie rechtzeitig und geben diese Liste auch rechtzeitig beim Wahlamt ab, sonst könnte es passieren, dass Sie nicht zur Wahl zugelassen werden.

Kann ich allein antreten?
Ja, dann müssen Sie aber die ganze Wahlvorbereitung selbst machen und auch allein auf dem Marktplatz stehen und um Stimmen buhlen. Ehrenamtliche Helferinnen sollten also schon da sein.

Wer wählt mich?
Die Wähler müssen EU-Bürger sein und mindestens 16 Jahre alt (nicht 18). Die Wähler müssen mindestens 3 Monate in dem Wahlbereich wohnen. Die (Ober-) Bürgermeisterin wird in direkter Wahl von der Bevölkerung der Stadt oder Gemeinde gewählt. Wer im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit (also 50% plus 1 Stimme) hat, ist direkt gewählt. Aufgrund der heute bunten Welt der Bewerberinnen erreichen viele Kandidatinnen nicht die 50%, so dass es 14 Tage später zu Stichwahlen kommt. Hier treten die beiden Kandidatinnen mit den meisten Stimmen an. Und dann gibt es oftmals eine Überraschung, denn es kann dann auch die Kandidatin mit den Zweitmeisten Stimmen plötzlich die Mehrheit haben.

Was muss ich gelernt haben, um Bürgermeisterin oder Oberbürgermeisterin sein zu dürfen?
Nichts. Man mag es kaum glauben, aber es gibt keine Mindestberufsausbildung. Aber auch hier gilt, man ist nicht nur die Person, die einer 100-jährigen einen Blumenstrauß zum Geburtstag bringt. Man ist Cheffin von vielen Menschen in der Verwaltung und den Stadt- oder Gemeindeeigenen Betrieben. Und sich nur auf die 1. Stadträtin oder 1. Gemeinderätin zu verlassen, kann in den Hosenanzug gehen. Aber nochmals, man muss nicht einmal einen Schulabschluss haben.

Bekomme ich Gehalt?
Als ehrenamtliche Bürgermeisterin nicht, da gibt es geringe Aufwandsentschädigungen. Diese ehrenamtlichen Bürgermeisterinnen unterstützen die hauptamtliche Bürgermeisterin bei verschiedenen Tätigkeiten. Diese ehrenamtlichen Bürgermeisterinnen werden auch nicht vom Volk gewählt, sondern vom Rat ernannt.
Die Bürgermeisterinnen, die hauptberuflich arbeiten, erhalten ein Gehalt, das sich je nach Größe der Gemeinde, Kommune oder Stadt unterscheidet. Als Faustregel gilt: Je mehr Einwohner eine Stadt / Gemeinde hat, desto höher ist das Grundgehalt.
Da die hauptamtliche Bürgermeisterin oder Oberbürgermeisterin zugleich der Cheffin der Verwaltung ist und wie eine Firmenmanagerin je nach Stadt- oder Gemeindegröße auch bis zu 2.000 Beschäftigte führen muss, ist das Gehalt entsprechend einer Firmengeschäftsführerin.
Da die hauptamtliche Bürgermeisterin oder Oberbürgermeisterin auch Beamtin auf Zeit ist (offiziell Wahlbeamtin, weil sie ja gewählt wird) spart sich auch eine kleine Pension (Rente) an, je nachdem wie lange sie im Amt ist.
Das Gehalt ist in jedem Bundesland anders, aber aus Faustformel gilt, dass es nach Beamtentarif B4 / B5 oder B6 sein kann.

Und sonst?
Wenn alles gutgeht, dann ist man für 5 Jahre der Cheffin einer Stadt. Und während die Angestellten und Beamtinnen einer Stadt oder Gemeinde meistens ihre Arbeit geräuschlos und sehr gut machen, sieht es beim Stadtrat / Gemeinderat manchmal anders aus. Denn der Stadtrat / Gemeinderat als direkt gewählte Vertreter der Bürger macht die Politik, die die Bürgermeisterin mit der Verwaltung umsetzen muss (wenn es rechtlich möglich ist). Und die Stadträte können dann auch mal stinkig sein, schreiben Leserbriefe, gehen zu Radiointerviews und nutzen Instagram, Facebook und Twitter, um die Bürgermeisterin oder die Verwaltung zu ärgern. Es soll Städte oder Gemeinden geben, das heißt es: „die Bürgermeisterin hat nur einen Feind: und zwar den Rat“